Der 3-Tages-Trip nach Fraser Island ist schnell beschrieben: Clevere Geschaeftsleute zocken die naiven Backpacker ein bisschen ab, 18 Leute in zwei Toyota Landcruiser, davon 14 aus England, mehr Wein (ist im Beutel das billigste Rauschmittel) im Gepaeck als alles andere, die Insel hoch und runter gehetzt, viele Trinkspiele gelernt. War lustig! Am letzten Tag haben wir dann auch jeden auf uns aufmerksam gemacht, nachdem mir beim zuruecksetzen am Strand (der auf der Insel die Hauptstrasser darstellt) der 20 Jahre alte und voellig durchrostete Auspuff ohne weitere Fremdeinwirkung in zwei Teile gebrochen. Wenn die russischen Panzer damals auch so laut gewesen waeren, haetten wir den Krieg gewonnen! Hervey Bay ist aber ein derartiges Scheissloch, dass ich nicht darauf warten konnte, sofort am naechsten Morgen nach Noosa aufzubrechen.
Noosa an der Sunshine Coast ist die erste der kopieren-und-einfuegen Staedte, die sich die gesamte Kueste runter bis fast nach Sydney finden. Hostel, Bar, Strand. Nur in Groesse und Lautstaerke sowie Anzahl und Oeffnungszeiten diverser Supermaerkte gibt es marginale Unterschiede. Die fallen aber eigentlich nicht auf.
Im Noosa YHA, das zur Abwechslung mal von Kanadiern dominiert wurde, bin ich eine Woche geblieben. Andrew aka ok-let's-go, der Bam-Margera-wannabe, von dem ich befuerchtet hatte, dass er mir nach spaetestens 24h maechtig auf den Sack geht, hat sich als ziemlich lustiger Kerl rausgestellt, sein deutlilch ruhigerer Kumpel Dave, Sophie, Brigitta aka Bridget sowie diverse andere Zimmergenossen, die wie kommen und gehen sahen, haben die Woche sehr entspannt, unterhaltsam und kurz gemacht. Mit Eva, die ich zufaellig wieder in Rainbow Beach im Bus getroffen habe, bin ich mal wieder in den Zoo gefahren. Nicht dass ich darauf besonders scharf gewesen waere, die lokale Tierwelt habe ich schon ziemlich komplett auch in der Wildnis gesehen, hinter ner Scheibe find ich das eher wenig spannend. Das war aber der Zoo von Crocodile Hunter Steve Irvin, den man ja dann doch mal besuchen kann, wenn schon der Bus von Noosa dorthin umsonst (1,5 Std. Fahrt!) und das YHA noch direkt neben der Bushalte liegt. Stevo war natuerlich nicht anwesend und - crikey - Tiger sind viel toller als Krokodile!
Wie sich zeigen wird, unterscheidet sich Noosa nicht grossartig von allen anderen Staedten entlang der Kueste, allerdings fuehlt man sich hier unter den jungen Familien, die mit ihrem Einzelkind im teuren Cabrio direkt vor den exclusiven Restaurants halten, recht arm, vor allem, wenn man barfuss und nur in kurzer Hose bekleidet die Promenade entlangspaziert und den in weissen Hemden bekleideten Typen mit ihren Maeuschen beim Essen zuschaut. Nach zwei Besuchen in der Backpacker-Party-Hostel-Bar namens Koala habe ich mich geweigert, abends das Gelaende des YHA zu verlassen, was auch gar nicht noetig war, wenn man sich vorher im Bottleshop eingedeckt hat oder einfach an die Bar gesetzt hat. Die Sache, angefangen oben in Cairns, verhaelt sich naemlich immer wie folgt: 200 Backpacker und zehn "locals" draengen sich in eine Bar, die zu einem Backpacker-Hostel gehoert und fuer 150 Personen ausgelegt ist. Die etwa 120 Jungs, vorwiegend aus Schweden und England, versuchen sich dann moeglichst schnell zu betrinken waehrend die 18 bis 21jaehrigen Schnicksen, die meist wahnsinnig stolz auf ihre Titten und Aersche sind (manche in der Tat voellig zurecht!) warten derweil auf Freigetraenke, zupfen ihre massive geschmacklosen Kleidchen zurecht (girls aus Essex, London) oder spielen gelangweilt in (echten) hellblonden Haaren herum (Suedschweden). Wenn die Jungs dann recht stramm sind, werden sie in der Regel recht laut und versuchen durch extrovertiertes Verhalten und meist unglaublich daemliche Mimikri die anwesenden Haeschen gefuegig zu machen, die jetzt auch schon ziemlich einen im Kopf stehen haben. Wer dabei aeusserlich moeglichst nah an das Idealbild des surfenden Hedonisten-Australiers rankommt, zumindest was die sich darunter vorstellen, hat dabei die besten Chancen. Der besagte Strandboy sieht so aus: blonde, leicht gewellte Haare vom Salzwasser, durch das er sich ja den ganzen Tag pfluegt, uebelst coole Sonnenbrille - gerne auch bei voelliger Dunkelheit, breiter Oberkoerper etc. versteht sich ja von selbst, rasierte Brust unter einem T-Shirt von Rip Curl oder Billabong - gerne auch Quicksilver, schlabbrige Bermudashorts, ebenso von einer der genannten Marken und - auch ganz wichtig - Flip-Flops. Dabei faellt mir ein, dass mir vor x Jahren Fritz Obermaier prophezeit hat, dass Flip-Flops wieder ganz gross im Kommen waeren. Wie recht er nur hatte. Wie auch immer, wenn der jetzt schon fast perfekte Surfer einen halbdaemlichen, leicht drogenabwesenden und in die Ferne driftenden Gesichtsausdruck an den Tag legt (er ist ja schon reichlich betrunken, nicht vergessen!), dann stehen die Chancen recht gut, dass man demnaechst zu zweit an den Strand umzieht um "Sterne zu gucken". Diejenigen, die jetzt noch uebrig sind, geben sich dann noch restlos die Kante und machen sich dann meist frueher als spaeter in ihre 16-Dollar-die-Nacht-12-Mann-Schlafraeume auf, nicht allerdings bevor sie noch die Strasse oder spaetestens die Toiletten im Hostel vollgekotzt haben. Schon ein lustiger Geselle, der Backpacker!
Deswegen auch wieder raus hier und weiter nach Brisbane. Dort bin auf Franzi, Alex (Beutel - tschuldigung, find den Namen einfach toll
), Katja und den Immobilienmann Markus getroffen, der sich vom verantwortungsbewussten und karriereorientierten Teamplayer zum temporaeren Dauerkiffer verwandelt hat. Ich bin mir sicher, dass Du Dir zuhause keinen mehr anzuendest, Markus
!
Dazwischen noch ein Geheimnis: Der Grund, warum ich heute mal wieder soviel schreibe, hat mit meiner Spontanplanungzu tun. Eigentlich wollte ich naemlich um 10:05 Uhr den Bus nach Coffs Harbour nehmen, nachdem ich gestern aber noch nicht wusste, was ich machen will und ergo den Trip auch nicht gebucht hatte bzw. keinen Sitz reservierte, stand ich heute vor einem vollen Bus und warte jetzt auf den naechsten um 14:15 Uhr. Den hab ich jetzt via Internet gebucht, ob das aberso kurzfristig klappt wage ich ja noch irgendwie zu bezweifeln! Man wird sehen.
Wie vier haben zwei kleine japanische Reisschuesseln gemietet und sind die Kueste nach Norden (bis wieder nach Noosa!) entlanggecruist, auf der Suche nach einem netten Spot um Franzi's Geburtstag zu feiern. Dabei sei erwaehnt, dass die Damen 27 Jahre alt waren und nichts mit obiger Beschreibung zu tun hatten! Die Naechte werden derzeit schon empfindlich kalt, die Beachparty fiel somit ins Wasser und wir mussten zum Leideweisen aller anderen Gaeste ein Motel auf Trab halten indem wir uns an die "Kein Krach nach 10 Uhr" leider Gottes ueberhaupt nicht halten konnten. Am ersten Abend ein bisschen, wenn man dann aber in einen Geburtstag reinfeiern will, kann man darauf leider wenig Ruecksicht nehmen und sieht die Managerin auch mal im Bademantel! Nach zwei Tagen am Strand gings fuer die Girls und mich wieder zurueck nach Brisbane und Markus hat an Ort und Stelle seinen Urlaub fortgesetzt.
Gestern bin ich nach Byron Bay gefahren (ihr merkt, das Tempo zieht etwas an, ich bin schon zu lange hier!) und auf das Copy-Paste Syndrom der Ostkueste gestossen. Zudem sind Osternferien und das Blues & Root Festival. Das Staedtchen ist nicht nur ueberlaufen, die Preise steigen auch in unannehmbare Bereiche. Gestern Abend also noch schnell ne geile Band gehoert (Mojo Marsh) und heute - mit Verzoegerung - ab nach Coffs Harbour.